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Info 2575: Editorial

Juli/August-Ausgabe 2021

„Lehnsch mir…?“
Rebekka Schor, Monique Dubler Petignat

Teilen statt kaufen, regional, saisonal, nachhaltig, günstig und sozial das „Lehnsch mir …?“-Projekt auf der Dorfverein-Website, beinhaltet eigentlich alles, was momentan im Trend ist und das seit sieben Jahren!
Aber etwas gut zu finden und dann tatsächlich Hand anlegen und Zeit zu investieren, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das weiss ich nur zu gut. Es hat mich allerdings keine 15 Minuten gekostet, meinen Dörrex und das Vakuumiergerät, welche im Schrank verstauben, bei der neuen Homepage von „Lehnsch mir …?“ zu registrieren. Der Prozess ist einfach: Registrieren, kurze Angabe zum Angebot machen und wenn möglich ein Foto dazu hochladen. Fertig. Im Gegenzug kann ich mir z.B. eine Motorsense, ein paar Festtische für die nächste Party oder – neu in der Kategorie Fahrzeuge – sogar ein Auto ausleihen. Carsharing à la Täuffelen-Gerolfingen. Die Idee geisterte schon lange in meinem Kopf herum, die Leute von der Zukunftswerkstatt „Mobilität“ gaben wertvolle Inputs und Monique von „Lehnsch mir …?“ war sofort für die neue Kategorie „Fahrzeuge“ zu begeistern und jetzt schauen wir mal. Natürlich ist es nicht ganz so einfach ein Auto zu „vermieten“ wie einen Dörrex auszuleihen. Entsprechende Formulare des VCS finden sich auf der „Lehnsch mir …?“-Webseite.
Ich würde mich sehr freuen, wenn das Projekt „Lehnsch mir …?“ ein fester Bestandteil und Beitrag zur Nachhaltigkeit in unserem Dorf würde. Wir haben doch alle etwas im Keller oder der Garage, das vielleicht für jemand anderes von Nutzen sein könnte. Und anstatt dass ich mir die Glacemaschine für den nächsten Kindergeburtstag kaufe, schaue ich zuerst auf „Lehnsch mir …?“ nach und lerne möglicherweise auch noch neue „Dörfler/innen“ kennen. Je mehr mitmachen, desto besser funktioniert’s! Und wer weiss, ob dieses Projekt nicht plötzlich „Vorbild“ für weitere Sharing-Plattformen wird; ganz so wie bei Mani Matters Ohrwurm: „I han es Zündhölzli azündt und das het e Flamme gäh …“.
Also los: Mitmachen und teilen!

Juni-Ausgabe 2021

Wunderwanderstall der Hagnecker Hühner
Irina Stork Zimmer, Hagneck

Haben Sie schon einmal ein Huhn gehalten, seine Wärme gespürt, in die weichen Federn gedrückt und versucht, seinen Herzschlag zu fühlen? Ein Huhn, so warm, so weich – und so unaufgeregt …

Ich wollte schon lange Hühner halten. Täglich frisches Wasser und Futter geben, sie jeden Morgen auf die Wiese lassen, diverse Schattenspender platzieren und am Abend sicherstellen, dass sich alle Hühner wieder im Stall befinden. Täglich! – das hat mich bisher davon abgehalten, meinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Dann brachten mich die fehlenden Veranstaltungen in unserem Dorf, das überall spürbare Verlangen nach sozialen Kontakten und ein Auftrag meines Arbeitgebers für ein Schulprojekt der SEG, möglichst viele Informationen über Hühnerhaltung zu sammeln, auf eine spontane Idee: 

Wir halten die Hühner gemeinsam und teilen die Betreuungszeit untereinander auf! Wenn mehrere Personen mithelfen, fällt es nicht ins Gewicht, wenn die eine oder der andere auch mal ferienhalber abwesend ist. So ein Hühnerhof kann ein Ort werden, an dem man sich treffen, einen Schwatz halten, gemeinsam die Arbeit erledigen und vielleicht sogar etwas lernen kann – mit Abstand wenn nötig. Eine Art Ersatz für einen Dorfplatz, den es in Hagneck leider nicht gibt. 

Doch, wo soll so ein Stall mit seiner Freilauffläche zu stehen kommen? Nach ein paar Wochen würden die Hühner die gesamte Freilaufwiese aufgescharrt und zu nackter Erde verwandelt haben. Wer will dafür sein Land hergeben?

In ersten Gesprächen – während der zu Coronazeiten eingeführten Spaziergängen des Frauen-Forum Hagneck – schlug jemand vor, den Stall auf verschiedenen Wiesenflächen im Dorf rotieren zu lassen. Ein Wanderstall sozusagen. Nach rund einer Woche würde er samt den Hühnern auf eine andere Fläche gestellt, sodass die aufgescharrte Grasnarbe – gut gedüngt mit Hühnerkacke – wieder zuwachsen kann. Ein einleuchtender Vorschlag!

Damit die Idee Wirklichkeit werden kann, braucht es Gleichgesinnte. Und damit deren Vorstellungen und Ideen ebenfalls Eingang finden können, möchte ich das Konzept dieses Projekts nicht einfach vorgeben, sondern das soll gemeinsam entwickelt werden. Der Vorstand des Frauen-Forums Hagneck wird das Projekt begleiten, bis es auf eigenen Beinen steht. Nun braucht es interessierte Frauen und Männer jeden Alters, welche in der Konzipierungsphase und/oder in der Bauphase und/oder später beim Betreuen der Hühner aktiv mithelfen wollen! Am 5. Juni 2021 möchte ich die vielen Fragen beantworten, welche meine Idee ausgelöst hat, und dann mit ein paar anderen Mutigen starten. 

Die «Hühner von Hagneck» soll ein langlebiges Projekt vom Dorf fürs Dorf werden. Es soll die Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zur sinnvollen Betätigung geben, es soll uns aus unserer verordneten Lethargie holen und wieder aktivieren. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn aus meiner spontanen Idee nächstes Frühjahr ein gackernder Hühnerhof in Hagneck werden würde! Als Lohn für den Erfolg des Projekts kann ich jetzt schon Eier versprechen … Bis bald!


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