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Info 2575: Editorial

Wunderwanderstall der Hagnecker Hühner
Irina Stork Zimmer, Hagneck

Haben Sie schon einmal ein Huhn gehalten, seine Wärme gespürt, in die weichen Federn gedrückt und versucht, seinen Herzschlag zu fühlen? Ein Huhn, so warm, so weich – und so unaufgeregt …

Ich wollte schon lange Hühner halten. Täglich frisches Wasser und Futter geben, sie jeden Morgen auf die Wiese lassen, diverse Schattenspender platzieren und am Abend sicherstellen, dass sich alle Hühner wieder im Stall befinden. Täglich! – das hat mich bisher davon abgehalten, meinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Dann brachten mich die fehlenden Veranstaltungen in unserem Dorf, das überall spürbare Verlangen nach sozialen Kontakten und ein Auftrag meines Arbeitgebers für ein Schulprojekt der SEG, möglichst viele Informationen über Hühnerhaltung zu sammeln, auf eine spontane Idee: 

Wir halten die Hühner gemeinsam und teilen die Betreuungszeit untereinander auf! Wenn mehrere Personen mithelfen, fällt es nicht ins Gewicht, wenn die eine oder der andere auch mal ferienhalber abwesend ist. So ein Hühnerhof kann ein Ort werden, an dem man sich treffen, einen Schwatz halten, gemeinsam die Arbeit erledigen und vielleicht sogar etwas lernen kann – mit Abstand wenn nötig. Eine Art Ersatz für einen Dorfplatz, den es in Hagneck leider nicht gibt. 

Doch, wo soll so ein Stall mit seiner Freilauffläche zu stehen kommen? Nach ein paar Wochen würden die Hühner die gesamte Freilaufwiese aufgescharrt und zu nackter Erde verwandelt haben. Wer will dafür sein Land hergeben?

In ersten Gesprächen – während der zu Coronazeiten eingeführten Spaziergängen des Frauen-Forum Hagneck – schlug jemand vor, den Stall auf verschiedenen Wiesenflächen im Dorf rotieren zu lassen. Ein Wanderstall sozusagen. Nach rund einer Woche würde er samt den Hühnern auf eine andere Fläche gestellt, sodass die aufgescharrte Grasnarbe – gut gedüngt mit Hühnerkacke – wieder zuwachsen kann. Ein einleuchtender Vorschlag!

Damit die Idee Wirklichkeit werden kann, braucht es Gleichgesinnte. Und damit deren Vorstellungen und Ideen ebenfalls Eingang finden können, möchte ich das Konzept dieses Projekts nicht einfach vorgeben, sondern das soll gemeinsam entwickelt werden. Der Vorstand des Frauen-Forums Hagneck wird das Projekt begleiten, bis es auf eigenen Beinen steht. Nun braucht es interessierte Frauen und Männer jeden Alters, welche in der Konzipierungsphase und/oder in der Bauphase und/oder später beim Betreuen der Hühner aktiv mithelfen wollen! Am 5. Juni 2021 möchte ich die vielen Fragen beantworten, welche meine Idee ausgelöst hat, und dann mit ein paar anderen Mutigen starten. 

Die «Hühner von Hagneck» soll ein langlebiges Projekt vom Dorf fürs Dorf werden. Es soll die Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zur sinnvollen Betätigung geben, es soll uns aus unserer verordneten Lethargie holen und wieder aktivieren. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn aus meiner spontanen Idee nächstes Frühjahr ein gackernder Hühnerhof in Hagneck werden würde! Als Lohn für den Erfolg des Projekts kann ich jetzt schon Eier versprechen … Bis bald!


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