Info 2575: Editorial

Perfekt oder eben nicht
Brigitte Gross, Hagneck

Sie halten die neuste Februar-Ausgabe des Info 2575 in Ihren Händen. Danke, dass Sie sich Zeit nehmen, um darin zu lesen. Vielleicht haben Sie beim Betrachten des Titelbildes Ihre Augen zusammengekniffen in der Hoffnung, das Titelbild möge etwas schärfer erscheinen? Es ist tatsächlich unscharf und eigentlich als Titelbild nicht geeignet. Eben halt nicht perfekt. Umso perfekter war der Moment, als ich das wendige Eichhörnchen weit oben im Geäst mit einem Handy-Schnappschuss fotografieren konnte. Ich empfand in diesem Moment pures Glück.

Es ist lange her, seit ich dieses putzige Nagetier mit seinen lustigen Pinselohren das letzte Mal gesehen habe. Ich erinnere mich noch gut an eine unliebsame oder besser gesagt an zwei unliebsame Begegnungen mit einem Eichhörnchen. Es war an einem heissen Sommertag. Ich fuhr mit meinem Fahrrad mit flottem Tempo durch den schattigen, kühlen Wald Richtung Ins. Plötzlich raschelte es am Wegesrand und fast zeitgleich flitzte ein braunes Etwas haarscharf vor meinem Fahrrad über den Waldweg. Oh, ein Eichhörnchen! Puh, das war aber knapp! Ich reduzierte mein Tempo und stellte mir kurz vor, wie sich das wohl angefühlt hätte, wenn ich in hohem Bogen über den Lenker meines Fahrrades geflogen wäre …

Nach etwa einer Stunde, ich befand mich auf dem Heimweg und wohlgemerkt wieder auf dem selben Waldweg, bekam mich ein ungutes Gefühl. Das braune Ding wird doch nicht etwa wieder …, nein so blöd wird es nicht sein … Kaum fertig gedacht, musste ich eine Vollbremsung machen! Ja genau. Die selbe Begegnung mit dem vielleicht selben Eichhörnchen. Ich lag am Boden und dachte „Wow, perfektes Timing mit einem perfekten Sturz ohne Blessuren“ und war überzeugt, dass sich das Eichhörnchen mindestens einmal um das Vorderrad meines Fahrrades gewickelt hatte. Dem war zum Glück nicht so. Ich empfand in diesem Moment … pure Erleichterung.
Inzwischen benutze ich eher Feldwege. Dies nicht etwa, weil mich dieses Ereignis unliebsam geprägt hätte, sondern weil ich seit einigen Jahren nebst dem motor-losen Fahrrad ein E-Bike fahre und mich die Wege eher Richtung Stadt nach Biel führen.

Aus diesem Grund hat mich der Schulinfo-Beitrag vom Elternrat auf Seite 18 besonders interessiert. Da steht z. B. unter anderem: Schnelle E-Bikes gehören in die Kategorie „Mofas“ und dürfen mit Mofa-Fahrverbot gekennzeichnete Strecken nur mit ausgeschaltetem Elektromotor befahren.

Da bin ich aber sehr froh, fahre ich „nur“ ein E-Bike, das bis 25 km/h unterstützt. Würde ich ein schnelles E-Bike fahren, das unter der Kategorie „Mofas“ läuft und bis 45 km/h unterstützt, müsste ich bei jedem Verbotsschild für Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder den Elektromotor ausschalten. Dies wären auf meinem Weg nach Biel sage und schreibe sechs solche Verbote. Die perfekte Schikane, denkt sich da vielleicht manch ein schneller E-Bike-Fahrer.