Info 2575: Editorial

In der Ruhe liegt die Kraft
Thomas Buser, Gerolfingen

Dieses bekannte Zitat stammt von Konfuzius, einem chinesischen Philosophen, welcher ca. 500 vor Christus gelebt hat. Sein zentrales Lehr-Thema war die menschliche Ordnung, welche seiner Meinung nach durch die Achtung anderer Menschen und die Ahnenverehrung erreichbar sei.

Heute 2’500 Jahre später sind wir weit von diesem Denken entfernt. Um Ruhe zu finden, muss man weit weg, es gibt nur noch ganz wenige Gebiete, welche nicht vom menschlichen Lärm beschallt werden. Und wer heute noch Achtung vor dem Anderen hat, gilt als Spiesser. Egoismus, Narzissmus, Neid, Missgunst und Häme sind der gute Ton. Dann noch Ahnenverehrung? Was sind schon Ahnen? Ah ja, die, welche uns mit ihrem spärlichen Erbe ein paar Tage noch unbeschwerteres Leben als wir sonst schon haben, ermöglichen.

So würde es wahrscheinlich aus Sicht von Konfuzius aussehen. Ist dem aber wirklich so? Er würde wohl finden, dass seine Aussage heute mehr denn je gilt. Was tue ich, wenn ich müde, also kraftlos bin? Ich ziehe mich in die Stille zurück und schlafe. Tanke Energie, entschlacke und stehe am Morgen voller Kraft wieder auf. Was tue ich, wenn ich gestresst und voller Wut auf das Leben bin? Ich mache mit bei einem Meditationskurs, gehe in den Wald spazieren oder gehe wieder einmal in die Kirche. Was auch immer ich tue, es beginnt immer damit, sich auf sich selbst und sein Inneres zu konzentrieren. Und das geht nur in der Stille.

Viele Menschen haben heute leider die Kraft nicht mehr, sich der Stille zu ergeben und sich mit ihrem eigenen Spiegelbild zu befassen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen die nötige Achtung entgegenbringen, gerade dann, wenn wir sie nicht verstehen. Und damit die Kraft geben, sich zu besinnen.