Info 2575: Editorial

Der Wonnemonat Mai
Esther Mathys, Hagneck

Wunderschöne Kindheitserinnerungen begleiten mich in die Zeiten, als ich meine Mutter jedes Jahr immer wieder fragte, wann ich endlich die Kniesocken und das Jupe anziehen könnte. Und alle Jahre erhielt ich dieselbe Antwort: „Erst wenn die kalte Sophie vorüber ist!“ Eine letzte aufbäumende Kälte, die ungefähr zur Zeit der heiligen Sophie (Mitte Mai), noch einmal kommt. Oder: „Solange es noch Schnee auf dem Jura hat, musst du noch warten!“ Danach wurde ich bis zur nächsten Kälte im Herbst diese unangenehm juckenden, wollenen Strumpfhosen los und konnte die erste Wärme der Sonne auf der Haut geniessen.

Oder die Erinnerung an meinen ersten Maibummel, den wir mit der Schulklasse machen durften. Dieser führte von Bargen (wo ich aufwuchs) der Aare entlang, bis zur Walperswil-Brücke. Bei der Fischerhütte trafen sich dann die verschiedenen Schulklassen. Die damals älteren Schüler machten einen grösseren Bummel, der über Kallnach führte. Bei Pic-Nic und Spiel vergnügten wir uns auf der frisch begrünten Wiese. Dieser damals unendlich lange, nie endende Weg der Aare entlang, blieb mir in besonderer Erinnerung. Die wunderbare Sonne, die einen wieder aufwärmte und die Lebensfreude mit ihrem goldenen Licht aufweckte.
Will ich den Mai beschreiben, weiss ich kaum wo anfangen. Mir zeigt dieser Monat immer wieder einen greif- und sichtbaren Neuanfang der Natur in einem wunderbaren Angebot an Üppigkeit und Geburten vieler Tiere. Die unterschiedlichsten grünen Farben an den Pflanzen, zarte Knöpfe, die nach und nach aufspringen, um ihre Blütenpracht zu zeigen. Ganze Felder voller Löwenzahn und das neue Blätterkleid, das vielen Tieren Schutz und Geborgenheit gibt. Neue, frische Nahrung! Die Freude, die man in den neuen Liedern der Vögel hört. Das Gesumme der Bienen in den Fruchtbäumen. Der Ruf des Kuckucks, der durch die Wälder hallt und die wiederkehrende Palette der Düfte. Die der Meieriesli, des Waldmeisters, der Holunderblüten, und vielen mehr. Von fein, zart, süsslich, bis opulent und aufdringlich. Das gleiche Spiel im Angebot der Farben.

Nicht ohne Grund teilt man diesen Monat der Aphrodite zu. Ein Monat voller Sinne und Schönheit, der Menschen schon von jeher inspirierte und zu unzähligen Gedichten und Poesien anregte. Der Mai bringt so viel Neues mit sich, man kann kaum aufhören ihn zu beschreiben. Ich wünsche Euch allen einen schönen Frühling, mit vielen interessanten Beobachtungen in der Natur.